Autor: Hans-Dieter Paul

Die Freiwillige Feuerwehr Brachwitz

Brände und Geschichte des Löschwesens

Seitdem die Menschen das Feuer benutzen, brachte dieses dem Menschen nicht nur Nutzen. Oft vernichtete es aus den unterschiedlichsten Gründen, ob nun wegen Unaufmerksamkeit oder wegen eines Blitzschlages, Werte der Menschen.

Die erste große nachweisbare Brandkatastrophe in Brachwitz geschah im Jahre 1603. Das Rittergut war in Ober- und Unterhof geteilt worden. Der Unterhof befand sich im Besitz des Hermann von Zimmern. Beim Ausbrennen eines Kellers gerieten die Gebäude des Gutes in Brand. Da die Häuser damals leicht gebaut und mit Stroh gedeckt waren, erfasste das Feuer außer dem Unterhof auch das übrige Dorf einschließlich des Oberhofes und der Kirche. (1)

Ein weiterer großer Brand geschah um ein Uhr nachts am 11. Juli 1793 beim Richter und Anspänner Hampe. Pfarrer Zesch schreibt, dass das Feuer wahrscheinlich gelegt wurde. Außer der Scheune Hampes gingen noch weitere zehn Häuser in Flammen auf, dazu wurden noch Scheunen und Ställe vernichtet sowie verschiedene Kossatengüter mit allen Gebäuden.

Ein gutes halbes Jahr später, am 26. Januar 1794, auch diese Feuer scheint gelegt worden zu sein, zerstörte ein Brand das Haus des Wassermüllers Meister Faust. Auch Peter Röthlings Haus brannte ab. Die Amtsspritze vom Amt Brachwitz kam zum Einsatz und viele Menschen eilten zur Hilfe herbei. (2)

In den Mittagsstunden des 23. Dezembers 1806 entstand ein großes Feuer im Stall des Anspänners Hampe, viele Scheunen und Ställe sollen abgebrannt sein. (3)

Die Gemeinde gab 1858 aus dem Gemeindehaushalt 9 Reichstaler für zwei neue Sturmfässer aus. (4) Ein Jahr später wurden vier Reichstaler für zwei neue Sturmfässer und fünf Reichstaler für zwei Feuerleitern aus dem Haushalt genommen. (5) 1863 kosteten Zurichtungen zum Aufhängen von Feuerleitern 12 Silbergroschen und 6 Pfennige. (6)

Die Schulchronik berichtet über einen Brand Folgendes: “ In der Nacht vom 1. zum 2. August 1901 wurde hiesige Einwohnerschaft durch den Ruf ‚Feuer‘ erschreckt. Es brannte die ‚Seidlersche Windmühle‘ total nieder. Nur der günstigen Windrichtung war es zu verdanken, dass nicht auch das Gehöft des P. Seidler anging, und so das Feuer einen größeren Umfang annahm, was umso eher möglich, da keine Spritze zur Stelle war. Müßige Zuschauer gab es genug. Die Entstehung des Feuers ist noch unaufgeklärt, und wird vielleicht auch ein Rätsel bleiben.“ (7)

Die Gemeinde reagierte. Im Haushalt der Gemeinde für 1902/03 wurden ausgegeben (8):
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Die Feuerspritzenprobe war ein freudiges Ereignis für alle Einwohner: „Um 1 Uhr nachm. [25. August 1903] wurde die von der Gemeinde angeschaffte ‚erste‘ Spritze bekränzt durchs Dorf gefahren, voran die Dölauer Bergkapelle, und dann unter Musik und der Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft ‚geprobt‘.“ (9)

Für das nächste Jahr standen folgende Ausgaben für die Gemeinde zu Buche (10):

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Die Feuerspritze wurde bald gebraucht, da im Januar 1905 ein Wirtschaftsgebäude der Domäne brannte. (11)

Die Feuerwehrleute löschten nicht nur das Feuer, dass sie auch den eigenen Durst löschten, zeigen die Ausgaben der Gemeinde für das Jahr 1905/06 (12):

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35 Pfennige mehr kostete im nächsten Jahr die Spritzenprobe Eiste, August Mennicke bekam wieder 6 RM für 6 Mann Musik. (13)

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Größere Reparaturen gab es im Jahr darauf, die Gemeinde wendete dafür 63,10 RM auf.(15) Im Haushaltsjahr 1912/13 wurde eine neue Feuerleiter für 18 RM angeschafft.(16)

Die Freiwillige Feuerwehr Brachwitz gründete sich 1922. Zu den Gründungsmitgliedern zählten u. a. Wilhelm Lüdde, Willi Lüdde, Paul Mennicke, Karl Hering, Richard Höpfner, Otto Mennicke.(17) Der erste Wehrleiter war Wilhelm Lüdde, nach ihm folgte Willi Lüdde.

Wilhelm und Willi Lüdde

Wilhelm und Willi Lüdde

In den dreißiger Jahren brachten folgende Brände im Ort viel Unheil:

In der Nacht vom 25. zum 26. August 1933 brannte die Werkstatt des Tischlermeisters Urban ab. Hermann Oertel aus dem Ort schreckte die Bevölkerung mit mehreren Brandstiftungen. So brannten durch ihn Stall und Scheune des Gastwirts R. Becker in der Nacht vom 28. zum 29. Mai 1938, am ersten Pfingsttag 1938 ein Strohdiemen des Bauern Braumanns und am 15. Juli 1938 die Scheune des Bauern Karl Saalbach ab.(18)

1939 bekam die Feuerwehr eine Motorspritze, und die Kameraden der Wehr wurden am 29. Januar 1938 als Brachwitzer Feuerlöschpolizei vereidigt.(19)

Paul Menecke

Paul Menecke

Über die Entwicklung der Brachwitzer Feuerwehr berichtete eine Ausarbeitung der Gemeindeverwaltung 1954: „Bei der vorübergehenden Besatzungszeit der Amerikaner 1945 wurde unsere Tragkraftspritze der freiwilligen Feuerwehr von den Amerikanern entwendet. Die hiesige Gemeinde stand daher völlig ohne Kraftspritze da. Durch die Initiative des Wehrleiters Paul Mennicke sind wir seit 1945 wieder im Besitz einer Tragkraftspritze, weil es damals der Wehrleiter verstand, aus drei alten Kraftspritzen eine gute brauchbare 800-Liter-Kraftspritze herzustellen. Unsere Freiwillige Wehr hat einen guten Ruf, welcher über die Grenzen des Ortes hinausgeht und sich mit anderen Feuerwehren jederzeit messen kann. Bei der Bildung von Katastropheneinheiten stellte unsere Wehr den Nachrichtentrupp und den Sanitätstrupp. Bei diesen zusammengelegten Übungen wurde von unserer Wehr Einsatzfreudigkeit und Schlagkraft unter Beweis gestellt.“(20)

Paul Mennicke war Wehrleiter von 1945 bis 1957. Zwei große Brände suchten Brachwitz heim: Am 20. Juli 19 50 brannte die Scheune von Kurt Dönitz aus und in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember

Richard Urban

Richard Urban

1952 der Konsum. Die Kameraden arbeiteten in den fünfziger Jahren auch kulturell sehr rege, so waren sie z. B. im Laienspiel tätig. Auch bei der Einbringung der Ernte eilten sie zu Hilfe.

Nach dem Tode des Wehrleiters Paul Mennicke übernahm Richard Urban von 1957 bis 1962 die Wehrleitung. Beliebt waren in der DDR-Zeit die Brandschutzbegehungen in Haus und Hof, brachten sie doch für die Kameraden so manches Schnäpschen und Bierchen und dazu bei manchem Klarheit im Punkt Brandschutzbestimmungen.

Nach dem Wegzug des Kameraden Richard Urban fungierte Rudi Lauenroth von 1962 bis 1974 als Wehrleiter. 1966 konnten die Kameraden das neue Gerätehaus in Betrieb nehmen, auch ein Auto wurde zum Löschfahrzeug umgebaut.

Rudi Lauenroth

Rudi Lauenroth

In den siebziger Jahren gab es durch den Wirkungsbereichsleiter Erich Kümmel im Wirkungsbereich eine gute Zusammenarbeit, die sich auch auf sportliche Kämpfe bezog. Ebenfalls brachten die Wochenendschulungen viel Kenntniserweiterung und Spaß. An den Wirkungsbereichsausscheiden nahmen auch Kinder-, Jugend- und Frauengruppen teil. An diesen und an den Kreisausscheiden konnte die Brachwitzer Wehr gute Ergebnisse erzielen.

1971 hatten die Kameraden einen Einsatz auf der Saale. Ein Lastkahn war auf Grund gelaufen und musste entladen und ausgepumpt werden.

Von 1975 bis 1993 war Hans-Dieter Paul Wehrleiter der Brachwitzer Feuerwehr.

Im Gelände der LPG Tierproduktion brannte am 9. August 1976 ein großer Strohdiemen ab, durch

Hans-Dieter Paul

Hans-Dieter Paul

ein loses Elektrokabel war der Brand entstanden.

Die Freiwillige Feuerwehr konnte mehrmals den Titel „Vorbildliche Feuerwehr“ erringen.

Im Februar 1990 nahm man mit der Freiwilligen Feuerwerk Mark Zell an der Quelle der Saale die ersten Beziehungen auf. Eine Fahrt der Brachwitzer Kameraden ging dann nach Zell. Anfang Oktober im gleichen Jahr kamen die Zellner zu einem Vergnügen der Brachwitzer Wehr.

Die FFw Brachwitz erhielt ein „neues“ Feuerwehrfahrzeug. Dienstbekleidung und Ausrüstungsgegenstände wurden dem neuen Standard angepasst.

Von 1994 bis 2014 ist Reinhard Hedel Wehrleiter.

Reinhard Hedel

Reinhard Hedel

Anfang Dezember 1994 rollte ein Sattelschlepper mit Spreewaldgurken beladen über die Fähre hinaus in die Saale. Die FFw Brachwitz sicherte die Einsatzstelle und zog die Fähre ans linke Ufer.

Durch die Bildung der Verwaltungsgemeinschaft „Wettin“ arbeiten die Wehren dieser Orte eng zusammen und halten gemeinsame Übungen ab.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Gründung der Brachwitzer Feuerwehr erhielt diese eine neue Feuerwehrfahne.

Mathias Schönborn

Mathias Schönborn

Mathias Schönborn übernimmt die Wehleitung und ist seit dem Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Brachwitz.

 

 

 

 

 

 

 

Quellen

Quellen