LO 1801 A

 

LO 1801 A der FF Brachwitz

LO 1801 A der FF Brachwitz

Baujahr: 1974

Das Prinzip, einen Lkw kostengünstig zu einem Löschfahrzeug umzurüsten, hatte sich zu der Zeit bewährt, als die Möglichkeiten der Beschaffung an Material sehr eingeschränkt waren. Somit entstand aus einer Notlösung eine vollständige Serie an Löschfahrzeugen. Im Feuerlöschgerätewerk Görlitz wurden nun neue Konzepte ausgearbeitet, um die Löschfahrzeuge noch effektiver für die technische Hilfeleistung und den Löschangriff zu bestücken. Diese Fahrzeuge sollten für jede Art Einsatz so flexibel wie möglich einsetzbar sein. Somit entstand eine neue Generation der Löschfahrzeuge in Gemischtbauweise auf Lkw-Basis, die ab 1968 Bestandteil der Feuerwachen und Betriebsfeuerwehren der Republik waren.

Gute Fahreigenschaften im Gelände, Watfähigkeit und Steigfähigkeit waren Bestandteil und Mindestanforderungen, um auch in sehr unwegsamem Gelände einsetzbar sein zu können. Da es sich ursprünglich bei der Allradvariante um Militärfahrzeuge handelt, sind die typischen Merkmale wie Dachluke über den Beifahrersitz (Gruppenführer), wasserdichte Scheinwerfer und die aufstellbare Frontscheibe des Fahrers vorhanden.

Ab 1968 begann für die Feuerwehr die Serienfertigung der Löschfahrzeuge LF 8-TS 8-STA im VEB Feuerlöschgerätewerk Görlitz auf allradgetriebene Fahrgestelle des Typs Robur 1801 A und lösten den leistungsschwächeren Typ LO 1800 T ab. Die Fahrerkabine wurde komplett neu überarbeitet und mit Zusatzausrüstungen gegenüber dem Vorgängermodell ausgestattet. Die Kabine wurde in Ganzstahlbauweise gefertigt und bot den Fahrer (Maschinist) und Gruppenführer ausreichend Platz. Die blauen Blinkleuchten auf der Fahrerkabine wurden zur besseren Verkehrssicherheit im Einsatz durch blaue Rundumkennleuchten ersetzt. Mittels Steckverbindung kann auf der Fahrerkabine je nach Baujahr links oder rechts ein Suchscheinwerfer befestigt werden, der mittels Netzanschluss an der Fahrzeugfront gespeist wird. Neuerdings befand sich vorn hinter der Kühlerverkleidung eine festeingebaute vom Fahrzeugmotor angetriebene Vorbaupumpe (FPV 8/8), die eine Nennförderleistung von 800 l/min bei einem Nennförderdruck von acht bar erreicht.

Der Aufbau wurde übersichtlicher sowie flexibel austauschbar in Gemischtbauweise (Stahl, Holz, Kunststoff) gefertigt und eingerichtet, wo die umfangreiche feuerwehrtechnische Ausrüstung sowie die Mannschaft (bis zu acht Feuerwehrleute) ausreichend Platz finden. Zusätzlich hervorstechend war hier die lichtdurchlässige Plane als Neuerung zu den Vorgängermodellen. Die TS 8 ist seitlich auf einem ausklappbaren Tragegestell eingeschoben; somit muss der Nachläufer nicht abgekuppelt werden, wenn die Tragkraftspritze entnommen werden soll. Das Tragegestell der TS 8 kann als Bock oder als Rutsche für die Entnahme verwendet werden. Die Tragkraftspritze (TS 8) kann zur Wasserentnahme an schlecht erreichbaren Stellen oder als Verstärkerpumpe eingesetzt werden oder für den Schaumangriff auch gegen ein Leichtschaumgenerator (LSG 4/400 T) variabel ausgewechselt werden. Diese Fahrzeuge auf Lkw-Basis können in zahlreichen Varianten zügig und unkompliziert umgerüstet werden, wie:

  • Das Mannschaftstransportfahrzeug kann bis zu 18 Personen transportieren, hier werden einfach die Gerätekästen entnommen und durch Sitzbänke ersetzt.
  • Der Gerätewagen ist mittels aufgeprotztem Kranausleger (1 Mp) am hinteren Rahmen für den Bergeeinsatz und/oder Rettungseinsätze für Mensch und Tier geeignet. Zubehör wie Flaschenzug und Zugketten werden in separaten Kästen im Fahrzeug mitgeführt. Der Kranausleger wird grundsätzlich im Feuerwehrhaus gelagert, er wird nur für Kraneinsätze mitgeführt.
  • Der Schlauchwagen wird mittels eines Schlauchkasten-Einschubs aufgerüstet, hierfür werden die Sitzbänke entnommen. Im Schlauchkasten befinden sich 600 m B-Schlauchmaterial.
  • Das Tanklöschfahrzeug mit einer Gummitankblase von 900 Litern Fassungsvermögen kann als Vorratsspeicher bei der Bekämpfung von Wald- oder Flächenbränden verwendet werden.
  • Der Lastkraftwagen ist als Mehrzweckfahrzeug einsetzbar. Hier wurden sämtliche Gerätekästen und Sitzbänke entnommen.

Es besteht eine Sprechverbindung vom Mannschaftsraum zur Fahrerkabine, sperrige Geräte wie vier Steckleiterteile, Klappleiter, Einreißhaken befinden sich unter der Plane über Kopfhöhe verstaut. Ein Notstromaggregat mit einer elektrischen Leistung von 0,5 kW für die Speisung der Arbeitsscheinwerfer rundet die Einsatzmöglichkeiten ab. Sechs Stück A-Sauglängen befinden sich direkt unter dem Aufbau in einem separaten Kasten. Kraftstoffbehälter, Flaschenzug und Ketten sind ebenfalls in separaten Kästen verstaut.

Zusätzlich wird in der Regel ein Schlauchtransportanhänger (STA) mitgeführt, der ausreichend Schlauchmaterial für die Wasserversorgung über lange Wegstrecken enthält, welches auch während der Fahrt verlegt werden kann (in den Versionen ab Baujahr 1961 21 B-Druckschläuche, ab Baujahr 1970 28 B-Druckschläuche und ab Baujahr 1977 34 B-Druckschläuche zu jeweils 20 Metern in Buchten gelagert).

Der Robur erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 82 km/h und besitzt einen luftgekühlten Vierzylinder-Viertakt-Ottomotor mit 51,48 kW (70 PS) bei 2800/min. Das Fünfganggetriebe ist vom 2. bis zum 5. Gang vollsynchronisiert. Zur Brandbekämpfung, Gefahrenbeseitigung und/oder technischen Hilfeleistung wird das Löschfahrzeug auch heute noch überwiegend in ländlichen Regionen Ostdeutschlands eingesetzt.

Technische Daten Löschfahrzeug

Besatzung
  • Zugelassene Personenzahl: 9
  • Einsatzkräfte: 1:8
Motor
  • 4-Zylinder, 4-Takt-Otto, luftgekühlt
  • Leistung: 51,5 kW (70 PS) bei n = 2800 l/min
  • Drehmoment: 230 Nm bei n = 1900 l/min
  • Hubraum: 3345 cm³
  • Kraftstoffnormalverbrauch: 24 l je 100 km VK-Normal
  • Kraftstoffnormalverbrauch im Gelände: 22–32 l je 100 km VK-Normal
  • Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h
  • Dauergeschwindigkeit: 70–80 km/h
  • Steigvermögen: 37 %
  • Steigvermögen, Geländegang: 82 %
  • Reichweite: 350 km
Getriebe
  • 5-Gang-Wechselgetriebe
  • 1 Rückwärtsgang
  • 2. bis 5. Gang synchronisiert
  • Verteilergetriebe mit Geländegang und Allradantrieb
Fahrgestell
  • Typ: LO 1801 A
  • Radstand: 3025 mm
  • Kleinster Wendekreisdurchmesser: 13,9 m
Bremsen
  • 4-Rad, hydraulisch, 2-Kreis
  • Handbremse mechanisch auf Hinterräder wirkend
Massen, Lasten
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 5250 kg
  • Vorhandene Gesamtmasse: 5150 kg
  • Zulässige Anhängelast, ungebremst: 1500 kg
  • Zulässige Anhängelast, auflaufgebremst: 2600–3000 kg (je nach Typ)
Abmessungen
  • Fahrzeuglänge: 5750 mm
  • Fahrzeuglänge mit STA: 8950 mm
  • Fahrzeugbreite: 2370 mm
  • Fahrzeughöhe: 2840 mm
Laderaum
  • Nutzbare Größe: 11 m³
  • Länge: 3300 mm
  • Breite: 2100 mm
  • Höhe: 1620 mm

Quelle: Wikipedia